Eine aktuelle randomisierte Studie (1) aus Japan untersuchte, ob Low-Dose-ASS täglich die Inzidenz der kardiovaskulären Komplikationen bei älteren japanischen Patienten mit multiplen Arteriosklerose-Risikofaktoren reduziert.

Im Rahmen des "Japanese Primary Prevention Project (JPPP)" wurden 14.464 Patienten (Alter 60 bis 85 Jahre), die sich bei den Hausärzten mit Hypertonie, Lipidstörungen oder Diabetes Mellitus von 2005 bis 2007 vorstellten, in die Studie eingeschlossen. Die Nachbeobachtungsphase betrug 6.5 Jahre bis 2012. Die Patienten wurden entweder für "enteric-coated"-ASS (100mg/d) oder kein- ASS randomisiert. Die sonstige aktuelle Medikation wurde beibehalten.

Der primäre Outcome war eine Kombination aus Tod durch kardiovaskuläre Ursachen (Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere kardiovaskuläre Krankheiten), Schlaganfall oder Herzinfarkt. 

Nach 5 Jahren wurde die Studie aufgrund der mangelnden der negativen Nutzen-Schaden-Ratio der ASS-Prävention beendet. In beiden Gruppen traten 56 fatale Ereignisse. Der primäre Outcome war in beiden Gruppen (+ ASS oder kein ASS) ähnlich (2.77% vs. 2.96. 

ASS reduzierte zwar die Anzahl der Herzinfarkte (HR .0.30 vs. 0.58), und TIAs (0.26 vs. 0.49), gleichtzeitig steigerte aber das Risiko für extrakranielle Blutungen, die eine Transfusion oder Hospitalisation notwendig machten (0.86 vs. 0.51).

Fazit: Einmal täglich Low-Dose-ASS reduzierte bei älteren japanischen Patienten mit multiplen Arteriosklerose-Risiken die Gesamtzahl der kardiovaskulären Komplikationen (kardiovaskulärer Tod, Herz- und Hirninfarkt) NICHT. Gleichzeitig kam es zu einer Zunahme der Blutungen unter ASS. Die Studie musste nach 5 Jahren wegen negativen Nutzen-Schaden-Verhältnisses der kardiovaskulären Primärprävention mit ASS vorzeitig beendet werden.

Anmerkung: Woran lag es, dass ASS zur kardiovaskulären Primärprävention bei Japanern mit Risikofaktoren eher Nachteile als Vorteile zeigte? Man könnte natürlich dazu neigen, die Ergebnisse mit der Besonderheiten der japanischen Population zu erklären. Vielleicht sollte man aber die Wunderwaffe ASS grundsätzlich auf den Tisch legen und untersuchen, ob ASS bei allen Patienten kritiklos verordnet werden sollte?

In der Studie gehörten die Teilnehmer an sich keiner Hochrisiko- sondern eher der Low-Risk-Gruppe an, da selbst die Patienten in der Kein-ASS-Gruppe relativ niedrige kardiovaskuläre Komplikationen hatten (5-Jahres-Risiko 2.96%). Nach den Ergebnissen der Studie profitieren die Low-Risk-Patienten von einer ASS-Primärprävention in der Gesamtbetrachtung nicht. Auch für Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko wäre ASS zur Primärprävention eher mit Nachteilen verknüpft. 

Ärzte sollten ASS bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren zur Primärprophylaxe nicht blind verordnen, sondern die zunächst die Vorteile und Nachteile individuelle abwägen.

1-

 

 

Zusätzliche Informationen

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok